Produktion der Zukunft: FIT Wien-NÖ-BGLD zu Gast bei der BMVIT-Strategielounge „Frauen in technischen Fächern“

 

Von der „BeeBot“ über das „Talente regional Projekt“ bis zu den FEM-Tech Praktika. FIT Wien-NÖ-BGLD reiht sich in eine Vielzahl von nachhaltigen Initiativen ein, die alle das gleiche Ziel verfolgen: die Steigerung des Frauenanteils im MINT-Bereich. Doch trotz zahlreicher Maßnahmen zeichnet die Realität ein anderes Bild: Die Anzahl an Absolventinnen technischer Studienfächer oder weiblichen Fachkräften in Österreich ist erschreckend gering. Die Gründe dafür und mögliche Auswege aus dieser Situation wurden am 4. Juni 2018 im Rahmen der Strategielounge „Produktion der Zukunft – Frauen in technischen Fächern“ diskutiert. Zu Gast im Heinz-Zemanek-Saal der Österreichischen Computer Gesellschaft lud das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie eine vielfältige ExpertInnenrunde zur Diskussion. 

Der steinige Weg der Prinzessin zur Astronautin
Beginnend mit Impulsstatements wurden Praxisbeispiele vom Kindergarten bis in die Arbeitswelt vorgestellt. Damit einher gingen eine Analyse der aktuellen Situation, eine Definition möglicher Problemfelder und ein Versuch Lösungsvorschläge darzulegen.

So erläuterte Brigitte Reisinger-Priganost den Einsatz von BeeBots im Kindergarten, die eine spielerische Begegnung mit Mini-Robotern ermöglichen, doch immer noch nicht flächendeckend eingesetzt werden. Lena Warczewski und Desiree Schröcker waren als Vertreterinnen des Vereins sprungbrett anwesend und präsentierten die Projekte youngFIT und FIT Wien-NÖ-BGLD. Von der Lehrausbildung in Handwerk und Technik bis hin zur Sensibilisierungsarbeit für MINT-Studien – beide Projekte fördern den Ausbruch aus gängigen Geschlechterklischees und Rollenerwartungen. Im Fokus liegen die kritische Reflexion geschlechtsspezifischer Rollenbilder und der Abbau von Hemmschwellen, indem beispielsweise Begegnungen mit der Unternehmenswelt, akademischen Einrichtungen und weiblichen Role Models ermöglicht werden.

Wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung der Thematik ist, zeigte Brigitte Ratzer mit dem Bild der heißen Kartoffel, die ständig weitergegeben wird. Als Vertreterin der Abteilung Genderkompetenz der TU Wien zeigte sie auf, dass nicht nur alle Institutionen entlang der Bildungskette Einfluss auf Entscheidungsprozesse haben. Viel mehr nahm sie auch die Politik wie auch Unternehmen und das Elternhaus in die Pflicht. Abrundend dazu präsentierte Doris Alhutter vom Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eine Studie, die sich mit dem Rollenbild des/der WissenschaftlerIn beschäftigte. Die geschlechtsspezifischen Zuschreibungen, mit denen Frauen im Wissenschaftsbereich zu kämpfen haben, zeigen eines ganz deutlich: Die Kategorie Geschlecht spielt auch heute noch in der Berufs- und Studienwahl und später in der Berufs- und Studienausübung eine maßgebende und charakterisierende Rolle.

Krönchen adé!
Das konservative Gendermodell Österreichs und Strategien für den Ausbruch aus Geschlechterklischees wurden in der anschließenden Podiumsdiskussion mit weiteren ExpertInnen aus dem Wirtschafts- und Bildungssektor besprochen. So wurden Geschlechtszuschreibungen und genderkonnotierte Benennungen als Probleme in der Berufswahl und ein als „schwierig“ konstruiertes Technikbild als Entscheidungshemmnis identifiziert. Die Zeit der Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit ist somit noch lange nicht vorbei: Es ist in Ordnung keine Prinzessin zu sein, es ist möglich Astronautin zu sein. Wille und Interesse sind dafür erforderlich und nicht ein bestimmtes Geschlecht.